Saarbrücker Zeitung vom 16. Juni 2005


Aus orientalischen Sphären in die Welt des feurigen Flamencos

Im Rahmen der Veranstaltung „Kunst in der Mensa“ lockte die „Nacht der Kulturen“ auf den Campus des Uni-Klinikums

Tänze, Klänge und Rhythmen aus aller Welt erlebten die Besucher der „Nacht der Kulturen" in der Mensa des Universitätsklinikums in Homburg. Flamenco und orientalische Tänze standen im Mittelpunkt.

von Bernhard Reichhart

Homburg. Feurig spanische Zigeuner-Rhythmen, Flamenco und orientalische Tänze sowie afrikanische und südamerikanische Trommelmusik ha­ben die Besucher im Rahmen der Veranstaltung „Kunst in der Mensa" fasziniert. Unter dem Motto „Nacht der Kulturen" erlebten die Zuschauer im ausverkauften Mensa- Gebäude der Medizinischen Fakultät eine ganz besondere Mischung von Tänzen verschiedener Kulturen. Den Tänzerinnen gelang es, dem begeisterten Publikum die gemeinsamen Ursprünge, aber auch die Unterschiede in Rhythmus, Harmonie und Bewegung der einzelnen Musikstile näher zu bringen.

Die beiden Flamenco-Tanzerinnen >>> La Cornelia (Conny Schwambach) und >>> Catarina (Katrin Rubly) gaben einen Einblick in die einzelnen Stilrichtungen des Flamencos. >>> Rena Karaoulis und >>> Latifa Senay ließen mit ihren orientalischen Tanzeinlagen die Besucherinnen und Besucher einen Hauch von Tausend-und-Einer-Nacht verspüren. Darüber hinaus zeigten auch Schülergruppen ihr tänzerisches Können.

Musik, temperamentvolle Tänze und die entsprechende Kleidung der Tänzerinnen entführten die gut gelaunten Zuschauer in eine andere Welt und ließen das Feuer und die Leidenschaft der einzelnen Tanzstile spüren. „Flamenco und orientalischer Bauchtanz haben gemeinsame Ursprünge und sind doch wieder verschieden“, erklärte Katrin Rubly, auf deren Initiative diese „Nacht der Kulturen“ stattfand. Da man in Homburg und Umgebung wenig von Flamenco und orientalischem Bauchtanz höre, sei man auf die Idee gekommen, im Rahmen der Reihe „Kunst in der Mensa“ einen solchen Tanzabend anzubieten, so Rubly, die seit vier Jahren Flamenco tanzt. Fasziniert vom Flamenco hat sie in Mannheim eine Flamenco-Schule besucht und auch in Spanien Privatstunden genommen. „Flamenco ist unmittelbarer Ausdruck des Lebens, gewaltsam, schonungslos und ergreifend, entstanden in einer Welt, die beherrscht wurde von Inquisition, Unterdrückung, Armut und Leid“, erzählte Rubly. Im Flamenco pulsiere die Wut, die Trauer und die Verzweiflung ebenso wie die Leidenschaft.

Unter dem Oberbegriff Bauchtanz werden heute viele verschiedene Tanzstile zusammengefasst. Doch die meisten Tänzerinnen bevorzugen den Ausdruck „orientalischer Tanz“. Einmal, weil eben nicht nur der Bauch bewegt wird, zum anderen, weil der Name Bauchtanz immer noch mit vielen Vorurteilen besetzt ist. Rena Karaoulis demonstrierte die griechische Variante des orientalischen Tanzes, den Tsifteteli, für den vor allem schlangenhafte Arm- und Oberkörperbewegungen sowie Brustshimmys kennzeichnend sind, sowie ägyptischen orientalischen Tanz.

Die Freude und spielerische Begeisterung der Frauen, die Kraft und Ästhetik, die Eleganz und volle Konzentration, die die Tänzerinnen zeigten, verzauberte das Publikum.

„Mich als Anatomen hat besonders begeistert, wie bei den Tänzen jeder Teil des Körpers miteinbezogen wurde“, betonte Dr. Kurt W. Becker vom Anatomischen Institut. „Oberkörper, Arme, Hände, Finger, ja selbst die Blickrichtung und die Mimik ist wichtig“.
Herbert Paffrath fand vor allem die Mischung zwischen orientalischer Musik und Flamenco „einfach faszinierend“.
Für Anna Grandpair und Gertrud Höchst war es ein überaus gelungener Abend. „Wir hatten viel Spaß und den Abend so richtig genossen. So etwas müsste man viel öfters anbieten“, hofften sie auf eine Fortsetzung dieser Sonderveranstaltung im Rahmen „Kunst in der Mensa“. Angetan zeigten sie sich von der Ausstrahlung der Tänzerinnen.

Abgerundet wurde das Programm durch den Percussionisten >>> Peter Lorson. Er stellte afrikanische und südamerikanische Trommelmusik vor und demonstrierte gemeinsame Ursprünge, aber auch Unterschiede in Rhythmus und Harmonie.

Auf einen Blick

Im Rahmen der Reihe „Kunst in der Mensa“ fand unter dem Motto „Nacht der Kulturen" eine Extra-Ausgabe in der Mensa statt. Vor ausverkauftem Haus tanzten Catarina und La Cornelia Flamenco, Rena Karaoulis und Latifa Senay orientalische Tänze. Darüber hinaus wirkten Schülergruppen sowie der Percussionist Peter Lorson mit. Wer sich für Flamenco-Unterricht interessiert, ist jeden Donnerstag, 19.30 bis 21 Uhr, im Lesesaal des Mensa-Gebäudes der Medizinischen Fakultät herzlich willkommen. Geleitet wird der Kurs von Katrin Rubly „Catarina“.