Bernd LIndemann


Zurück--














Die "Museumsgeschichten" haben ihre besonderen Helden, nämlich jene Unauffälligen, so oft geflissentlich übersehen, die als "Aufsicht" vor den Bildern und Skulpturen ihren täglichen Dienst tun. Ihre Erfahrungen werden hier berichtet, ihre besondere Kunstperspektive kommt in diesen Geschichten erstmalig zur Geltung.

Wir lesen, wie Joe, eine Aufsicht im Rollstuhl, die Macht der Dürerschen Kunst erfahrt, wie Sarah in einem Museum mit den Randzonen der experimentellen Psychologie in Berührung kommt. Die magische Alte aus Chaucers Wife of Bath kommt in einem Gemälde wieder zu Wort mit ihrem berühmten "... hier führt kein Weg vorbei". Ein Kunstlehrer ganz besonderer Art wird bei der Arbeit beobachtet und die zierliche Yae, eine Aufsicht in Japan, erfährt in Tempeltraum die wahre Kraft und Bedeutung eines uralten Yakushi.

Schließlich erleben wir die Ikonogenese von Werken der Maler Mokuan, Nolde, Monet, Kandins-ky und Picasso und das Keimen von "kubistischen Texten" der Gertrude Stein. In diesen Entstehungsgeschichten wird der Kommunikationsstrom von innen belauscht, ist die Erzählperspektive ganz in einen Künstler oder Betrachter hinein verlagert, so dass Empfindungen und Gedanken ungefiltert nacherlebt werden können.

Denn was kann Kunst, was kann Literatur anderes sein als die Darstellung dessen da drinnen, die Darstellung der inneren Wirklichkeit!

invoco-verlag 2002


Die Erzählung "Yakushi" spielt im modernen Japan, hat aber Handlungsstränge, die weit in die Geschichte zurückreichen. Die zierliche Yae, eine Aufsicht in dem Kunstmuseum von Fukuoka, muss in einem Kellerraum Dienst tun, in dem alte Holzskulpturen aufgehoben werden, vor allem ein aus hinoki-Holz geschnitzter "Heilender Buddha", der Yakushi. In dem stillen Museumsraum schläft Yae ein. Durch die Kraft des Yakushi erlebt sie in ihren Träumen die Entstehung der Buddha-Skulptur in einem alten Tempel und erfährt viel über Geschichte und Wesen der buddhistischen Lehre. So wird sie langsam verwandelt, der "Heilende" beginnt sie zu heilen.

Die Erzählung erinnert uns daran, dass religiöse Kunstwerke eine Dimension haben, die über die Natur eines Exponates hinausgeht und der man mit einer Verwahrung in Museen nicht gerecht wird.

invoco-verlag 2002


An einer kleinen englischen Universität arbeitet Alois Edelzwicker, ein erfindungsreicher Professor für Psychologie. Seine Studenten, von der Forschung begeistert, untersuchen mit einer neuen, cleveren Versuchsanordnung die menschliche Feinmotorik. Zunächst geht es ihnen nur um die Vermessung von unwillkürlichen Bewegungen, Händezittern und dergleichen. Sie finden dabei jedoch etwas Neues. Etwas, das ihre Erwartungen weit übertrifft, sie entdecken, empfangen jene unmerklichen Meldungen.

Es sind graphisch verschlüsselte Botschaften, ästhetisch wundersam packend, die sich nicht-verbal und unbemerkt vom kritischen Verstand verbreiten. Der ständige Austausch unmerklicher Meldungen erweist sich als Voraussetzung für das Weiterbestehen des kollektiven Unbewussten der Menschen. Dahinter stecken uralte, uns allen wohlvertraute Kräfte. Diese, Kinder des Unbewussten, werden zu shooting stars in dem sich entfaltenden Drama. Dem Drama der großen Fusion, dem Versuch „ganz“ zu werden ...

invoco-verlag 2000


Zum Seitenanfang